Donnerstag, 30. Januar 2014

Chormöglichen. Entwürfe für eine Chormoderation.

Für Filterrauschen, Berlin 2014, revidiert 2016

Zusammenfassung
Der Chor als Gemeinschaft des gemeinsamen Singens ist passé. In der Gegenwart von Netzwerklogiken und dem Wissen um sich verändernde Medialitäten des Menschen, müssen wir uns damit beschäftigen wie man heute dennoch Musik in Chören machen kann. Dazu benötigen wir eine neue Definition des Chores, und der Arbeit des klassisch begriffenen Chorleiters. Dieser wird hier als Chormoderator mit all seinen Konsequenzen der Handlung beschrieben. Diese Konzepte sollen es ermöglichen Singenden Techniken zur Erfahrungsbündelung zu vermitteln.

ganzer Text
Da ich selbst Anthropologe und Musiker bin, möchte ich einen Artikel über den praktischen Input von unserer Vorstellung von Musik leisten. Wie drückt sich die die Theorie in Praxis aus? In der Idee von chormöglichen, stecken verschiedene theoretische Konzepte, die es ermöglichen sollen, den SängerInnen eines Chors einen Katalog voller Möglichkeiten anzubieten, aus dem sie kreativ schöpfen können. 
Zunächst jedoch ein theoretischer Zugriff, auf Chor und Chorleiten: Was soll das im Jahre 2014 sein? 
Als Chorleiter stehe ich vor verschiedenen Tatsachen, die sich einem statistisch anbieten: Seit Jahren wird von einem Chorsterben berichtet, das sich vor allem im Aussterben der bereits bestehenden Chöre ausdrückt. Gleichzeitig sehen wir uns einer wachsenden Tendenz von Gospel- und new voice-Chören, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Der gute alte Männerchor (ähnlich wie die jute Butter) wird statistisch gesehen in wenigen Jahren als Format nicht mehr existent sein (sofern die Tendenz konstant bleibt).[1] Des Pudels Kern liegt wohl im Verhalten der Menschen zum Organisieren mit anderen Menschen, das ich als Anthropologe als sozialformieren beschreibe. Tatsächlich gibt es auch andere Chorleiter, die genau diese Tatsache sehen: sie wird gerade dann deutlich, wenn es um das Sterben bestehender Strukturen geht.[2] Es ist zumindest unwahrscheinlich, dass Menschen heute nicht mehr singen wollen, oder ganz und gar nicht mehr können.[3] Symptomatisch sei hier die Statistik von Musikdownloads angeführt, die seit Jahren stetig wächst (wenn man sich die kostenpflichtige Musik ansieht).[4] 
Singen und Musikmachen ist immer noch im Fähigkeitskasten der Menschen – sie gestalten es heute nur anders als vor 50 Jahren – wer soll es ihnen verdenken, bzw. wer hätte das kommen sehen sollen? 
Ein Chor könnte demnach heute ganz anders begriffen werden: Er ist kein Container mehr, der sich durch Vereinsstruktur auszeichnet. Eigentlich wäre deshalb ein neuer Begriff angebracht, der genau diesem Umstand Rechnung trägt. Eine neue Definition von Chor wäre entsprechend der neu entwickelten Medialitäten von Menschen (Wahrnehmungsweisen, Expressionsverhalten, Aufmerksamkeits-ökonomien)[5] ein projektgemeinschaftliches Geflecht, das sich durch eine zeitliche und thematische Unabgeschlossenheit auszeichnet. Ein Projekt(chor) wäre so verstanden, eine Gruppe von Menschen, die sich ohne gesellschaftliche Formationsregeln, wie Vereinstruktur, zusammenfindet, und dem Topos des Projekts folgend offen assoziativ, das heißt: ohne Befristung und ohne genauen Pfadverlauf, arbeitet. In diesem Falle hieße das: Singen.[6] 
Entsprechend müsste sich hieran auch das Chorleiten als Begriff verändern: Wenn ich davon ausgehe, dass ein Chor eine Sozialformation von Menschen mit Projektcharakter ist, dann könnte der/die Chorleiter*in nicht als solcher verstanden werden. Leiten kann man nur einen Chor, den man als Container versteht, der sich klar hierarchisch organisiert, in dem davon ausgehe, dass verschiedene Rollen und Figuren von Menschen bestehen. In einem Projekt sind diese Begriffe nicht gegeben: Menschen machen in Projekten sich selbst ständig neu; das Projekt ist quasi eine Selbsttechnik des Menschen, zur ständigen Neuerfindung des Lebens.[7] Singen in einem Chor ist daher – auch wenn dies zu hoch gegriffen klingen mag – in diesem Sinne das ständige Neuerfinden seiner selbst durch Musik. Für den Chorleiter ergeben sich daher vollkommen neue Aufgaben und Herausforderungen, die sich gar nicht mehr als Leiten begreifen lassen. 
Ich verstehe den klassischen Chorleiter heute als Moderator eines Chores. Dieser Chormoderator hat die Aufgabe die ständige Neuerfindung durch Musik für die SängerInnen zu ermöglichen. Wir befinden uns damit in einem Dazwischen von Verhalten und Regeln, die sich gegenwärtig noch austarieren – die wir allerdings unter allen Umständen ernst nehmen müssen, und versuchen zu realisieren. Daher möchte ich folgend skizzieren, was ein Chormoderator als Handlungsmöglichkeiten hat: 
-          Der Austausch von Erfahrung: Der Chormoderator hat (im besten Falle) eine höhere musikalische Ausbildung als die SängerInnen, und damit ein größeres Spektrum von musikalischen Erfahrungen, die es gilt mit dem Chor auszutauschen. Das klassische Prinzip „ein Stück im Kopf hören, und es dann realisieren“ muss in ein Wechselverhältnis zu den SängerInnen gestellt werden. Die Meinungen und Erfahrungen müssen deutlich reflektiert und realisiert werden. Zwar hat der Chormoderator das größere Spektrum an Techniken des Singens und des musikalischen Ausgestaltens eines Stückes (egal ob Song oder Arie), allerdings verbindet jeder Singende verschiedene Erfahrungsbündel mit dem Stück, die ebenfalls umgesetzt werden müssen. In diesem Sinne verstehe ich den Chormoderator als Ermöglicher der spezifischen Erfahrungen der Singenden, indem er Ihnen die musikalischen Techniken (transparent) vermittelt, und ihnen damit einen Katalog von Möglichkeiten des Singens an die Hand gibt.[8] 
-          Dieses Ermöglichen von Singen kann nicht nur durch das Geschehen im Chor passieren. Unabdingbar erscheint mir ein Fokus auf den Singenden: Durch Solo-Gesangsunterricht muss die Technik des Singens direkt an den Menschen getragen werden, sodass dieser sie im Chor auch umsetzen kann.[9] In großen Chören mag dies auf ein Organisationsproblem stoßen. Ich denke aber, dass in großen Chören Funktionen gefunden werden könnten, um Gesangspädagogen anzustellen, oder einen Gesangsunterricht irgendwie so zu strukturieren, dass jeder davon einen Nutzen ziehen kann.[10] 
-          Die Chorprobe an sich versteht sich demnach wie eine Moderationssitzung: Die Gedanken, Erfahrungen der Singenden müssen in den Proben berücksichtigt werden. Dies geschieht ganz einfach, in dem man sich als Chormoderator mal traut, von seinem Thron herabzusteigen, und genau danach zu fragen: Wie ist das Empfinden der Singenden zum dem Stück? Was würden sie gerne anders machen (gestalterisch)? Welche Relevanz hat das Stück, bzw. haben einzelne Sequenzen in dem Stück für sie? Man muss sich dabei als Chormoderator eingestehen keine Hoheit über die situative Musik zu haben, sondern nur über die Techniken und die Bündelung der verschiedenen Erfahrungen. Das Ziel dem Chor zu einem homogenen Klang zu verhelfen muss dabei nicht verloren gehen: In dem man das Singen als Wechselspiel zwischen Chormoderator und den Singenden untereinander begreift und ausführt, ist es möglich den Menschen zu einem besseren Verständnis für sich selbst und die anderen zu verhelfen: Reflexion heißt hier das Schlagwort. Das Realisieren von Singen, heißt dann: den Menschen helfen sich selbst zu verstehen; sich selbst zu erfinden und zu positionieren. 
-          Dies schlägt sich auch in der Auswahl von Stücken nieder: bei Chören, die keinen Zwang zu Auftritten haben, sollte jeder Singende die Möglichkeit haben seinen/ihren Wunsch nach bestimmten Stücken zu ermöglichen. Dies wäre eine direkte Übersetzung der spezifischen Erfahrungen der Singenden mit und im Chor. Gleichzeitig ermöglicht dies allen anderen Singenden sich in die musikalische Erfahrungswelt der Mitsingenden hinein zu denken/singen/erfahren. Das Ergebnis aus solchen Prozessen wird sicherlich eine bunte Mischung von Stücken sein. Was mich zum nächsten Punkt führt. 
-          Die Zielsetzung eines Chormoderators muss programmatisch nicht der Pfadverlauf der Stücke sein.[11] Wichtig wäre demnach nicht, dass am Ende ein sauberes, in sich stimmiges Programm entsteht, was sich nur durch die Titelauswahl kennzeichnet, sondern ein kohärentes Programm im Sinne der Singleistung des Chores. Ein Programm von Stücken ist also demnach kohärent, wenn alle Singenden mit den Stücken „etwas anfangen“ können, sich darin verorten können und es mit Spaß, Lust und Leidenschaft auch anderen Menschen zu Gehör bringen können. Das wesentliche Merkmal was sich hier an den neu definierten Chor und das Chormoderieren anschließt, wäre nicht Kohärenz des Programms (Form und Inhalt), sondern Authentizität der Singenden (Akteure und Praxis). Wichtig ist, dass Zuhörer den Singenden vertrauen und – wenn man so will – Glauben schenken.[12] Dies ist ebenfalls eine Herausforderung an den Chormoderator, sich den neuen Stücken und neuen Musikrichtungen zu stellen, und diese technisch zu vermitteln. Auch er/sie muss dabei authentisch sein, um die Musik moderieren zu können. 
-          Dass Führen von Hörbüchern: Als eine praktisch-empirische Arbeit im Chor erweist sich eine alte kulturanthropologische Forschungsmethode als sehr effizient: Das Führen von Tagebüchern. Um die Reflexion der Singenden in einen ordentlichen Lauf zu bringen, kann es sinnvoll sein, sie Tagebücher ihrer Musik führen zu lassen. Man gebe ihnen dazu ein kleines Notizbuch in die Hand, in das sie alltägliche Erfahrungen mit Musik notieren.[13] Das ermöglicht im besten Falle ein Ingangsetzen von musikalischer Reflexion, und damit einer stärkeren so gesprochenen Realisierung von eigener Musik zu Umwelt. 
-          Zur Formation von Chören: Ich halte es widerläufig, heute Chöre mit fester Vereinsstruktur zu führen. Natürlich steht man vor der Herausforderung genügend Singende zu finden, die einer Gemeinschaft loyal bleiben. Wie bereits zu Anfang erwähnt, sind die geläufigen Vertrauensmodi zu Container-Chören gegenwärtig in einem starken Stress. Ich behaupte, dass Chöre, die sich als authentisch erweisen, d.h. in ihrem Programm von Stücken, aber auch im Programm von Singen (vgl. oben), wenige Probleme haben sollten Zulauf von Menschen zu erhalten.[14] Denn wie bereits erwähnt sehe ich nicht, dass Singen als Kulturtechnik gegenwärtig einen Qualitätsverlust erleidet hätte. 
-          Das Moderieren der Chorprobe sollte neben dem Fokus auf die Singenden, auch das Material fokussieren. Es gibt gerade in Deutschland zu wenig Diskussion darüber, mit welchen Gesangstechniken welches Notenmaterial realisiert werden kann. Viele Chorleiter*innen sind ausgebildet mit einem tiefsitzenden Kehlkopf zu singen: Eine Technik, die bei Pop und Rock zu einem nicht-authentischen Ergebnis führt. Ein Song von Michael Jackson, bzw. das Arrangement dazu, benötigen Twang, Curbing, Belting, und einen beweglichen Kehlkopf. Der Umgang mit dem Notenmaterial heißt dann für die Chormoderation, Techniken zur Erfahrungsbündelung zurecht legen. 
Diese Ausführungen könnten helfen Chorsingen zu ermöglichen, und wären demnach wirklich ein chormöglichen des Chormoderators. Es ist eine große Herausforderung für Chorleiter sich darauf einzulassen: Vor allem menschlich erweist sich dieser Ansatz als kompliziert in seiner Ausführung. Ständige Vermittlung heißt eben auch ständig sozialer Stress zwischen den Singenden und dem Chormoderator[15]. Das Ziel eines authentischen Chores kann allerdings dabei helfen, diesen Modus aufrechtzuerhalten. 
Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass der soziale Stress, der dabei entsteht, den man sogar offen zulässt und quasi erwünscht (durch die Form der Moderation), auch zu einzelnen Kollapsen führen kann: Es wird unumgänglich sein, dass Singende dann den Chor verlassen, oder grundsätzlich mit der situativen Programmstruktur des Singens und der Stücke nicht einverstanden sein werden. Grundsätzlich ist dies allerdings ein positiv zu bewertender Prozess, da er zeigt, dass sich Menschen aktiv mit dem Chor und dem Singen auseinandersetzen, und ihr Tun reflektieren. Letztlich beweist sich dann das Moderieren der Gruppe (sozial) als ein Vertrauen in die Methode, dass „am Ende zusammenwachse, was zusammen gehöre.“ Die Zeiten, in denen Menschen nur irgendeinem höheren Zwecke willen in Chören singen, sind nun mal passé (vielerorts). Es gilt nicht den Dienst an diesem Höheren zu folgen („dem Schönen und Guten/Wahren“), sondern die Menschen vor Ort mit ihren Erfahrungen ernst zu nehmen und ihre musikalischen Positionen zu vermitteln und zu einer Authentizität zu verhelfen.



[1] vgl. http://www.mainpost.de/regional/hassberge/Chor-Sterben-und-Gesangs-Boom;art1726,4413889 (zuletzt aufgerufen am 29.01.14)
[2] ebd.
[3] Ganz im Sinne von M.Serres: „Der Mensch ohne Fähigkeiten“: Nachdem der Mensch sämtliche menschliche Fähigkeiten in Techniken ausgelagert hat, bleibt von ihm nichts mehr übrig. Diese These halte ich für absurd. Als Anthropologe sehe ich eine empirisch belastbare Wirklichkeit, die genau das Gegenteil zeigt. Menschen machen nach wie vor Musik, die Strukturen und die Medialitäten haben sich dazu allerdings stark verändert.
[4] Dass der Download von kostenloser Musik abnimmt, hat wohl eher damit zu tun, dass eben dieses Angebot seit Jahren weniger wird (GEMA sei Dank), und gleichfalls sich Menschen bspw. über Youtube ihre Musik besorgen. Vgl.: http://www.miz.org/intern/uploads/statistik98.pdf (zuletzt aufgerufen am 29.01.14)
[5] Siehe dazu die Frankfurter Anthropologie des Medialen (Auswahl):
Faßler, M. (2005). Erdachte Welten. Die mediale Evolution globaler Kulturen. Wien, New York: Springer.
Ders. (2008). Der infogene Mensch. Entwurf einer Anthropologie. München: Fink-Verlag.
Ders. (2012). Kampf der Habitate. Neuerfindung des Lebens im 21.Jahrhundert. Wien, New York: Springer.
Ders. (2004). Kulturanthropologie des Medialen. Anthropolitan , 10/2004: 5-17.
[6] Es geht dabei nicht darum, dass Chöre nur noch als Projekt existent sein sollen, bspw. wie es dies bereits gibt, als Projektchor zur Aufführung von einem Stück von Händel oder dergleichen. Es geht darum, dass das Projekt nicht mehr dem Verein oder der Kirche zugehörig ist, sondern nur dem Singen und dessen veränderter Organisation.
[7] Der Begriff Selbsttechnik meint hier: Menschen haben das Projekt als Form von Organisation selbst geschaffen und erzeugt (nicht: ex nihil), und benutzen diese, um sich selbst zu verändern. Diese Form von Organisation steht im Kontrast zu Gesellschaft, die sich klassisch logisch nicht durch Veränderung, sondern durch Erhalt auszeichnet.
[8] In der Anthropologie wird dieser Umstand bspw. in den Science and Technologie Studies mit dem Begriff enactment bezeichnet. Er trägt genau diesem Umstand Rechnung, Wechselverhältnisse des Wissens und der Technik durch Vermittlung zu bestätigen, zu aktivieren und zu realisieren. Vgl.: Beck, S., Niewöhner, J., & Sorensen, E. (2012): Science and Technology Studies. Eine sozialanthropologische Einführung. Bielefeld: transcript Verlag.
[9] Ich halte dafür die funktionale Stimmentwicklung von Cornelius L. Reid für basal. Sie ermöglicht es anhand der stimmlichen Physionomie das Spektrum der sängerischen Möglichkeiten auszutarieren und „das was gut ist zu fördern“ und den Singenden ebenfalls Handlunsgoptionen an die Hand zu geben, um Schwächen der Stimme funktional, d.h. anhand der vorhandenen Struktur von Stimme (biologisch), zu regeln. Für den Bereich der Popmusik ist die Complete Vocal Technique (CVT) von C. Sadolin maßgeblich.
[10] Ich selbst habe dies in meinem Chor genauso umgesetzt und biete neben der Chormoderation den Solo-Gesangsunterricht als business as usual an. Der mir oft begegneten Kritik, dass Menschen nur „singen lernen“ würden, wenn der Unterricht dazu dauerhaft und regelmäßig und unter ständiger Aufsicht geschehen dürfe, muss ich meine Erfahrung  entgegensetzen: Auch wenn die Singenden nur alle zwei Monate 45 Minuten Unterricht erhalten, beweisen sich die Fortschritte der Gesangstechniken als fundamental. Getreu dem Topos des Ermöglichens von Singtechniken, ist es wirklich nicht zu unterschätzen, wie es Menschen immer wieder gelingt, auch langfristig zu lernen: Wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, die Techniken mit ihren Erfahrungen in Verbindung zu bringen.
[11] Natürlich müssen wir hier Abstriche machen: Eine Kantorei wird dieser Idee nicht folgen können. Ich gehe aber in meinen Ausführungen wie oben genannt sowieso nicht von Container-Chören aus (formal betrachtet), sondern von Projektchören. Was mit Container-Chören passieren wird, wird sich im Laufe der Zeit erweisen.
[12] Wie oft habe ich schon von Zuhörern gehört, dass Auftritte von Chören einfach langweilig gewesen seien, und mich um die viele Probenarbeit geärgert, die es kostete das Stück aufführfähig zu machen. Wenn die Singenden keine Erfahrungen mit der Musik verbinden können (abseits der Erfahrungen in den Proben), bleibt die Musik nicht-authentisch.
[13] Bspw.: Wann wurde wo welche Musik gehört? Im Radio, TV, durch den MP3-Player, etc. Das manchmal unauffällige Summen von Mitmenschen in der U-Bahn, das Rauschen von Musik in Geschäften, etc.
[14] Ich sollte hier erwähnen, dass der Umstand einer anonymen Großstadt dem natürlich eher zuträglich ist als eine Kleinstadt. In einem anonymen Kontext fällt es erfahrungsgemäß den Menschen leichter, sich zu einer neuen Gruppe von Menschen zu gesellen. Sofern ein authentisch arbeitender Chor in einer Kleinstadt oder auf einem Dorf keinen Zulauf erfährt, muss auch in Ratlosigkeit zeigen. Ich wüsste gegenwärtig nicht, wie man diese Problem lösen könnte, würde mir allerdings die dreiste und sehr provokative Frage erlauben, ob es denn notwendig ist, dieses Problem zu lösen. Damit will ich nicht sagen, dass Singen auf dem Dorf zum Scheitern verurteilt ist. Wenn allerdings dieser hier vorgelegte Katalog zur Moderation nicht funktioniert (sofern man ihn denn gescheit umsetzt), muss die Frage erlaubt sein, ob denn überhaupt ein Bedarf von Chor besteht. Diese Frage muss sich in jedem Kontext stellen lassen. So ist es bspw. gleichfalls hilfreich, wenn alle Singenden in einem Chor – egal in welchem Kontext – sich ständig die Frage stellen: Was tue ich hier eigentlich?
[15] Mit dem Begriff des Chormoderators erwarte ich nicht, dass dieser Begriff ersetzend in Zukunft verwendet wird, sondern er als alternative Definition des Chorleiters verstanden wird. 

Kommentare:

  1. Der Link zum Text geht nicht könnten Sie mir den zukommen lassen?
    mfg
    Alex

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  2. Danke für den Hinweis. Der Text ist jetzt vollständig hier ausgeführt (kein Link mehr nötig)

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