Donnerstag, 21. November 2013

Skizze einer nonlinearen Ästhetik (Kunstphilosophie & -theorie) Teil 3

Teleologien, wie sie seit Kant in philosophischen, naturwissenschaftlichen und künstlerischen Diskursen immer wieder auftauchen, sind unsinnig: Was schert sich die Welt, ob wir denken, dass wir die Krone der "Schöpfung" oder eben der Evolution wären? Dies sind menschliche (anthropozentrische) Denkmuster, die auf völlig ziellose und ungerichtete Prozesse angewendet werden. Gleichzeitig kann aber gesagt werden, alles menschliche Tun zielt auf den Menschen zurück, das ist was Mensch-Sein ausmacht, das ist ein un-dialektischer(!) Humanismus. Also Kunst ist immer von Menschen für Menschen gemacht, alles andere ist keine Kunst, soviel zum Post-Humanismus.

Alle Kunst kann nur in diesem Universum stattfinden, was heißen soll: Kunst kann keine Naturgesetze brechen! Das spannende ist nun, wie Energie-, Stoff- und Informationsströme verlaufen und zusammenwirken, um etwas, dass man Kunst nennen kann, entstehen zu lassen. Und wenn wir nun hier begreifen, dass weder Energie, noch Materie oder Information verschwinden oder aus dem Nichts entstehen kann, lässt sich nachvollziehen, dass Kunst nicht das schaffen von etwas  Neuem ist oder sein kann, sondern die Kunst ist es Unterschiede zu machen und Unter- und Entscheidungen zu treffen.

Spannend bleibt auch die Frage nach dem Zweck der Kunst. Unter naturalistischem Blickwinkel bleibt bis jetzt ungeklärt, wie und wofür Kunst entstanden ist. Welche biologischen, evolutionären, anthropologischen oder soziologischen Attraktoren gibt es hierfür? Angesichts der vielen Spezies auf diesem Planeten, die ohne Kunst oder etwas ähnlichem auskommen, scheint die Wahrscheinlichkeit dafür doch recht gering zu sein. Und dennoch empfinden wir Kunst als etwas Essentielles, Wesentliches, ohne das wir uns selbst als weniger menschlich sehen würden, hätten wir keine (könnten aber dennoch diesen Vergleich anstellen). Somit zeigt sich auch hier wieder das spezifische der Kunst, eben eine komplexe Tätigkeit des Menschen zu sein.

Der Mensch sammelt, spielt, entdeckt, erfindet, formt, markiert, entwickelt, denkt, ordnet, etc. - Gesellschaften, Klassen, Eliten und Institutionen kanalisieren diese Tätigkeiten in (funktionelle) Kunst (Tradierung, (Re)-Präsentation, Bildung, Disziplinierung, Hierarchisierung, Gruppenzugehörigkeit, Archivierung etc.). Ist Kunst ohne diese möglich? Lässt Kunst sich von diesen trennen?

Und hier geht es zu den anderen Teilen der Skizze:
Teil 1
Teil 2

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