Freitag, 15. November 2013

Skizze einer nonlinearen Ästhetik (Kunstphilosophie & -theorie) Teil 2

Weitere Leuchttürme:

Emergenz / Koevolution / Komplexität / Kopplung / Kooperation / Kybernetik

Nicht die Interfaces / Medien / Instrumente machen die Kunst, sondern die Menschen, die organisieren bzw. sich durch und mit diesen organisieren! Sie werden neu erfunden, neu gestaltet, umgeformt, geklaut, wiederentdeckt und wiederverwendet, die Konstante hier ist, dass sie verwendet werden, um zu organisieren oder auch auszudrücken, zu gestalten, zu musizieren, zu improvisieren, zu fantasieren, auszufüllen, zu strukturieren etc.

Schulen sind der zurechtstutzende Versuch der Musik- und Kunstwissenschaften (-betriebe) Gruppendynamiken zu simplifizieren. Auch wenn Gruppendynamik ein veralteter und ungenauer Begriff ist für ein komplexes Geschehen der Vernetzung, trifft dieser allemal besser als der Terminus Schule. Schule trifft spätestens in dem Moment nicht mehr, wenn die Schüler gleichberechtigte Partner des Lehrers und eigenständige(?), unabhängige(?) Künstler werden. Der Begriff Schule lässt auch die Anteile dieser Gruppen wegfallen, die Teil des Austausches sind, ohne zwangsläufig in einen öffentlich wahrgenommenen Kunst-Kanon (Repertoire) aufgenommen zu werden oder die auch gar nicht in einem herkömmlichen Sinne schöpferisch tätig wurden / werden. Siehe hierzu die oft verkürzenden Darstellungen zu den "Zwei Wiener Schulen": einmal um Haydn / Mozart / Beethoven und dann um Schönberg / Berg / Webern. In beiden Fällen werden die weiteren Komponisten, Musiker und Nahestehenden dieser Gruppen nur marginalisiert, was auch mit einem Originalitäts- und Geniebegriff einhergeht, der aus der Romantik stammend, die entsprechenden Erzählungen stilisierte und damit auch verfälschte.

Wir verneinen den Hegelschen Weltgeist und sämtliche darauf beruhenden oder ähnlichen Geschichtserzählungen, seien sie nun naiv, religiös oder dialektisch etc. Diese Konzepte sind unnatürlich und unrealistisch und bilden Geschichte eben nicht als Geschichten in ihrer Komplexität ab, sondern vernachlässigen und selektieren Fakten um zu einer verkürzten, unterkomplexen und stringenten(?) Erzählstruktur zu gelangen. Auch hier geht es um Machtlogiken, die aus vermeintlichen Kausalitätsprinzipien abgeleitet werden, beispielsweise die Deutungshoheit über was jetzt die richtige, wahre oder authentische Kunst sei oder darüber was zur wahren Tradition gehört und wie sich diese weiterentwickelt.

Kunst (und wenn man sagen möchte Kultur) ist immer eine Kollektivleistung, die ohne Kooperation nicht möglich ist. Dennoch wird immer wieder der Kult des Originalgenies hervorgekramt und das Individuum gefeiert (Personenkult), als sei es eine autarke und autonome Entität, die einfach aus dem Nichts etwas hervorbringt. Was wir als mythologisierende Geheimniskrämerei und gezielte Irreführung ablehnen. In diesem Zusammenhang sind elitäre Konzepte gleichfalls zu vermeiden.


Un hier geht es zu den anderen Teilen der Skizze:
Teil 1
Apposition 1
Teil 3

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen