Mittwoch, 13. November 2013

Skizze einer nonlinearen Ästhetik (Kunstphilosophie & -theorie) Teil 1

Evolution / Humanismus / Anthropotechnik / Infogenität:

Dies sind hier einige der wichtigen Termini, die wie Leuchttürme unsere Aufmerksamkeit ausrichten sollen.

Bedeutend ist die Abwendung von Linearität oder einer anderweitigen simplifizierenden Stringenz oder Erzählstranges. Damit gleichbedeutend ist die Abwendung von Fortschrittserzählungen. Aus unserer Sicht ist keine Epoche besser als die andere, sondern jedes Kunstwerk immer das viable Ergebnis seiner Zeit. Dazugehört, dass unsere begrenzte (menschliche) Auffassung oder Wahrnehmung von Zeit immer auf dem Point Of No Return konstituiert wird, den wir Gegenwart / Jetzt nennen. Ist Musik-/Kunstgeschichte evolutionär? Wir denken vieles spricht dafür, auch wenn sich die Evolutionstheorie nicht 1:1 übertragen lässt. Kunst entwickelt sich nicht logisch, aber eben doch auch nicht völlig zufällig,  genausowenig wie Geschichte sich logisch oder völlig zufällig entfaltet: Evolutionär trifft es besser.

Die Idee von Originalität ist gänzlich zu verwerfen und zu ersetzen durch interzirkuläre Betrachtungsweisen. Beispielsweise ist ein Komponist immer auch ein Ergebnis seiner Umwelt: seiner Lehrer, Freunde, Familie, Geliebten, Feinde, Kritiker, Musiker, Publikum, Auftraggeber, Unterstützer. Eine singuläre Betrachtung verbietet sich von daher. Wie der Komponist komponiert, hängt von Eigenkonstruktion, Rezeption anderer Werke, Tageskondition, Politik, Tagesablauf und Mahlzeiten ab. Selten ist ein Komponist nur ein solcher, in den meisten Fällen muss er das Geld zum Leben anderweitig verdienen, z. B.  durch Unterrichten, Konzertieren, Dirigieren, Verlagsarbeit, Musikkritik, Theorie, PR oder auch ganz andere musikfremde Tätigkeiten.

Ähnlich wie in der Evolution sind "Errungenschaften" nicht Individuen zuzuordnen, sondern oft mehrfach in verschiedener Form zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten entstanden. Insbesondere die Erzählung (Konstruktion) der Moderne ist hier zu hinterfragen, als ein Mythos, der sich aus den institutionellen, industriellen, politischen und weltanschaulichen Machtlogiken speist.

Auf die Frage, warum jemand komponiert / Kunst macht, kann als Antwort gegeben werden: Weil er / sie es kann und es möglich ist. Was hier so simpel klingt, ist sehr viel umfassender:  Es spielen hier die verschiedenen Ebenen von Kosmologie, Physik, Chemie, Biologie, Psychologie etc. zusammen, die in den meisten Debatten über Kunst ausgeblendet werden. Seinen Grund hat dies in dem sich auch in der Trennung der Geistes- von den Naturwissenschaften spiegelnden Dualismus von Geist und Materie. Dieser Dualismus ist nicht haltbar und muss aus einem sinnvollen Gedankengebäude zur Ästhetik ausgeschieden werden.

Ein wichtiger Bestandteil ist die Individualismuskritik sowie die Institutionalisierungskritik: Individuum und Institution sind beides Strategien linearer Machtkonzepte.


Und hier geht es zu den weiteren Teilen der Skizze:
Teil 2
Teil 3

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