Samstag, 16. November 2013

Apposition: Skizze einer nonlinearen Ästhetik

Emergenz / Koevolution / Komplexität / Kopplung / Kooperation / Kybernetik

Zusammenführung

Mit dem Begriff der Emergenz kann der Akt der Musikschöpfung beschrieben werden. Mensch, Technik, Notationssymbolik, Hör- und Konstruktionserfahrung, etc. bilden eine Organisation, die es ermöglicht menschliche Komplexität zu kreeiren. Damit ist gemeint: Musik als komplexes künstliches System, in dem Denken, Erfahren und Handeln möglich wird. 
Das emergente Moment wird vor allem in der Funktion der Irreduzibilität deutlich: Die Summe ist mehr als seine Teile, und kann nicht auf die Teile (zurück) reduziert werden. Komplexität ist nunmal komplex und kann gar nicht reduziert werden. Musik kann daher auch nicht schwer oder leicht sein. Das hängt allein von der Erfahrung ab (wie ein Kuchenteig nicht auf Mehl reduziert werden kann).
Die Organisation, die zu einem emergenten Prozess führen kann, wird durch Kopplungen ermöglicht. Dies können strukturelle, energetische (Maturana/Varela) oder auch infogenetische (Faßler) Kopplungen sein. Kopplung ist ein Sammelbegriff, der mit Inhalt frei gefüllt werden kann: Kommunikation, Sprechen, Schreiben, Interaktion, Immersion, etc. Es gibt also verschiedene und vielzahlige Möglichkeiten Kopplungen und dadurch eine Organisation aufzubauen. 
Wenn nun solche Organisationen eine Rückwirkung auf den Organisator oder auf andere Systeme erbringen, kann von Koevolution gesprochen werden. Auch hier wieder: Das Ko von Koevolution ist ein Sammelbegriff, genau wie Rückwirkung (Feedback: Rückkopplung). Das Ko kann bedeuten: Kooperation, Koordination, Konkurrenz, Konvergenz, Kontingenz. Kooperation spielt vor allem bei der Betrachtung wie Systeme miteinander arbeiten und dabei wiederrum großformatige Rückkopplungsschleifen evozieren, die auf den Menschen wirken und evolutionär beschreibbar sind. 
Kooperation ist also ein Mechanismus von Koevolution - der auch in der Musik eine Rolle spielt. Dabei soll Musik nicht - wie so oft - analytisch getrennt betrachtet werden, und in diese theoretischen Konzepte eingepresst werden. Es geht um einen Gesamtzusammenhang angefangen bei Mensch - zu medialer Selbstbefähigung (Faßler) - Symbolkreation - Notation und Archive - Ausdruck durch Erfahrung und Datenvariation. 
Die Idee von emergenter Organisation kommt unterdes (auch) aus der Kybernetik, welche versuchte eine Regelungs- und Steuerungstheorie zu entwerfen. Für die Kreation von Musik kann dies relevant sein: Entweder in der Betrachtung wer im musikalischen Betrieb/Wissenschaft der Regler und Kontrolleur ist (Deutungshoheiten), oder auch wie Kopplungen aufgebaut sein sollten, damit sie stabil sind.

Übertragen bedeutet dies: es muss unterschieden werden in:
  • Musik als infogenetische Kopplung (Organisationsgrad) --> informationell Akustisches
  • Musik als Komplexität menschlichen Lebens (belebbare Entwürfe)
  • Musik als nicht reduzierbare Künstlichkeit --> Komplexität nicht als Normativität, sondern Modus informationellen Entwurfs
  • Musik als Datenvariation archivierter Symbole (Modell-Notation-Modell-Expression)
  • Musik als koevolutionäres Konstrukt menschlicher Autopoiese (Selbstorganisation) --> "Die kulturelle Evolution des Menschen war möglich, aber nicht notwendig"
  • Musik als strukturelle Organisation (Institutionen, Schulen, Hoheiten der Deutung/Komposition/Kreation, etc.)


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