Mittwoch, 18. September 2013

Lutoslawski Janacek Bartok - Klassische Moderne

Das Konzert am Abend des 12.09. wurde mit Witold Lutoslawskis Symphonie Nr. 4 eröffnet. Ein einsätziges Werk das im Zeitraum von 1988 bis 1992 entstand. Auch hier verwendet Lutoslawski, wie in vielen seiner nach 1960 entstandenen Werken, sich abwechselnde Abschnitte von genau ausnotierten (dirigierten) und "kontrolliert aleatorischen" (nicht dirigierten oder nur Einsätze anzeigenden) Passagen. Diese Technik erlaubt es dem Komponisten Übernotation zu vermeiden und den Schwierigkeitsgrad bestimmter Texturen so gering wie möglich zu halten und gleichzeitig ein rhapsodisches Rubatomoment zu integrieren. Das Resultat ist nie unvorhersehbar oder darauf angelegt komplett verschiedene Klangkonstellationen zu ermöglichen, es bleibt dem jeweiligen musikalischen Charakter oder Topos treu, also zielt auf größtmögliche Ähnlichkeit bei aller Freiheit. Die Berliner Philharmoniker unter Alan Gilbert spielten die Symphonie überzeugend und unproblematisch. Sie konnten die aleatorischen Teile mit Spannung füllen und mit der ihnen angedachten Leichtigkeit.

Als zweites Werk stand Janaceks Konzert für Violine und Orchester Wanderung einer kleinen Seele auf dem Programm. Dieses wurde leider von Janacek nur skizziert (1924 - 1928) und ist uns heute nur in einer 1988 durch Faltus und Stedron vervollständigten Fassung zugänglich. Gleichwohl ist es eines der schönsten und spannendsten Werke Janaceks und der Konzertliteratur. Thomas Zehetmair war der Solist des Abends und wer seine Aufnahme des Konzerts von 1997 kennt, weiß das die Erwartungen groß waren. Und er hat uns nicht enttäuscht: Zehetmair spielt so frisch und brilliant wie vor 15 Jahren, er kennt seinen Janacek und trifft jeden Ton mit genauer Emotionalität - definitiv ein Höhepunkt des diesjährigen Musikfestes.

Zum Abschluß gaben die Philhamoniker Bartoks Tanzspiel Der holzgeschnitzte Prinz, von Bartok 1917 beendet. Eine grandiose Partitur: spätromantisch, impressionistisch anknüpfend an die Werke, die Strawinsky für die Ballets russe geschrieben hat. Und das Orchester fesselt uns von der ersten Minute an bis zum Schluß, fast eine ganze Stunde: mit Engagement, Virtuosität und Nuanciertheit.

Ein wunderbares und kraftvolles Konzert! Wer das hören möchte, kann am 21. September den Konzertmitschnitt im Kulturradio des RBB ab 20.00 Uhr nachverfolgen oder besucht die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker.

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