Dienstag, 10. September 2013

Bartók, Hartmann, Schostakowitsch - Musik in der Krise (1)

Der Besuch in der Philharmonie am letzten Donnerstag (05.09.) war zu allererst schön: Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Marek Janowski hat gut gespielt, das Programm war eine gelungene Zusammenstellung von Werken die in Krisenzeiten geschrieben wurden oder sich mit diesen auseinandersetzen, die Akustik der Philharmonie war wieder mal beeindruckend, die Solisten des Abends, Isabelle Faust und Günther Groissböck, waren hervorragend und bestimmten mit ihrer Präsenz die Atmosphäre und Stimmung des Konzertes.

Das Format, die Präsentation und Darstellung, Zusammenfügung der bürgerlich-industriellen Arbeitsteilung verfehlt immer noch nicht seine Wirkung - Solisten, Dirigent und Orchester erzeugen mit präzisen Gesten den rituellen Zauber eines großen Konzertabends.

Das Programm beinhaltet Werke deren Enstehung einen Zeitraum von 50 Jahren erfasst: Bartóks Orchesterstücke begonnen 1912 und erst 1921 beendet, Schostakowitschs 13. Sinfonie 1962 fertiggestellt und in der Mitte Hartmanns Violinkonzert 1939 geschrieben und 1959 revidiert.

Zwei Jubiläen wurden in diesem Konzert vereint: Vor 50 Jahren (1963) starb der Komponist Karl Amadeus Hartmann und vor 40 Jahren (1973) wurde die 13. Sinfonie von Schostakowitsch durch das RSB erstmalig in der DDR aufgeführt.

Alle drei Werke vereint die Enstehung in und Reflektion auf schwierige Zeiten: 1912 zog sich Bartók aus dem öffentlichen Musikleben in Budapest auch aufgrund der schwierigen politischen Lage zurück, Hartmann schrieb sein Concerto funebre 1939 unter dem Eindruck der Machtergreifung der Nazis und zog sich ebenso aus der deutschen Öffentlichkeit zurück, Schostakowitsch wagte 1962 mit seiner politik- und systemkritischen 13. Sinfonie zu viel, das Werk wurde aus dem sozialistischen Musikleben verbannt, Schostakowitschs Karriere irreparabel beschädigt.






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