Dienstag, 4. Dezember 2012

Sendeschluss

Auf der Seite perlentaucher erschien kürzlich ein Artikel, der sich mit den Veränderungen mit denen die Medienlandschaft (der Journalismus) zu tun hat auseinandersetzt. Nun sind wir eigentlich kein Blog, der sich um Journalismus dreht. Und dennoch steckt in dem Text ein lesenswerter Kern: machthabende Eliten von Medien (bei uns: Musik) wehren sich gegen nötige Veränderungen, die in der "digitalen Ära" nötig sind. Ideen gibt es viele. Hier ein Ausschnitt, und drunter der Link. 

"Wenn aber alle Medien alles sind, wenn Schrift, Ton und Bild ineinander übergehen, wie kann es dann sein, dass ein einzelner Akteur, dessen Identität aus einem obsoleten Medienbegriff rührt, ganz allein beauftragt wird, öffentlich-rechtliche Information zu organisieren? Die Sender sind bisher weder damit aufgefallen, im Netz besonders innovativ zu agieren, noch scheinen sie dies als ihren Auftrag zu betrachten. Wahrscheinlich werden sie sogar daran gehindert, weil der Gesetzgeber selbst an künstlichen Gattungsgrenzen in der Medienlandschaft festhält. Wie die Printmedien, die sich selbst versichern, dass ihr Journalismus überlebt, beharren sowohl die Politiker als auch die öffentlich-rechtlichen Sender  auf dem alten Sender-Empfänger-, Volksbeglücker- und Torwächter-Modell, das sie in einer viel agileren, unübsersichtlicheren, aber auch weitaus autonomeren Öffentlichkeit schon jetzt in den Bedeutungsverlust führt.

Die Frage ist also, wie sich die Idee eines  öffentlich-rechtlichen Journalismus im Zeitalter der Digitalisierung neu formulieren lässt."

aus: Sendeschluss.

hier mein Kommentar dazu:


"großartiger Artikel!
Als Anthropologe, der sich mit Medien/Medialität/Information/Infogenese beschäftigt suche ich schon lange nach deutlichen Aufrufen, die alte Plastiken wie "Sender-Empfänger" oder "Medien=Zeitung und Fernsehen" als überholt deklarieren.
Gerade Journalisten, die sich gerne als Medienmacher bezeichnen, beweisen gegenwärtig, dass sie von ihrer Funktion und ihrer Materie keine Kompetenz haben. Sie setzen sich mit der "digitalen Ära" (natürlich nur ein schwammiger Begriff) nicht auseinander, sondern votieren dagegen. Resultate sind die Pseudo-Sakralisierung der Zeitung und des Buches, eine geschürte Aversion gegen das WEB, die Aufrechterhaltung von überholten linearen Prozessen und Strukturen, die mit der Informationsgenese inkohärent sind.
Wir wissen heute aus der Neurowissenschaft, dass es bspw. keinen biologischen Mechanismus im menschlichen Körper/Gehirn gibt, der Information vermittelt, sondern nur einen, der Information (was auch immer das ist) erzeugt.
Wenn wir als Menschen Informationen nur erzeugen können, müssen wir von sämtlichen Forderungen "des guten Journalismus", der "echten Medienarbeit", der "Meinungsbildungsfabrik Medien" und der Idee der "Medien als vierte Staatsmacht" Abschied nehmen.
Sofern Journalisten ihre Funktion nicht reflektieren, und damit den Kollaps ihres Systems herbeiführen, ist das etwa so traurig und bedauernswert wie der Bauer, der versucht im Winter auf dem Feld Tomaten zu pflanzen.
Es ist schlichtweg unzeitgemäß, oder um es noch deutlicher zu formulieren: es hat seine künstliche geschaffene Basis schon längst verloren und sicht zurzeit dem Ende entgegen."

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen