Dienstag, 2. Oktober 2012

Skizzen einer Kulturanthropologie des Medialen - Fragment 3

Kurz gefasst


Menschen unterscheiden, wenn sie Informationen machen. Daten sind vorgespeicherte Unterschiede - Informationen kleinstmögliche Möglichkeitsvarianten von Daten. Wenn Menschen ihre Welt beobachten und beschreiben entwerfen sie diese erst. Diese Idee folgt einem radikal neurobiologischen Konstruktivismus[1], demnach es biologisch nicht möglich ist eine Repräsentation der Welt da draußen zu erfahren[2], sondern nur eine Welt des Innen mit Bezug zu (einem gedachten) Außen entwerfend zu denken.[3] Aus diesem Entwurf können in Koordination mit anderen Entwürfen (von anderen Menschen), gruppenbezogene Zusammenhänge entstehen. Diese Koordination beschreibt sich letztlich als Eliminierung von Informationsmengen, um eine lineare Verstetigung zu erzeugen; bspw. zum Systemerhalt. Diese gruppenbezogenen Zusammenhänge sind quasi Programme, d.i. „kollektive Logiken“[4] (u.a. Denk- und Handlungsweisen). Programme sind demnach koordinierte diskrete, weil singulär von jedem einzelnen Menschen entworfene, Mengen an Informationen.

Diese Programme können auch mit dem Begriff der strukturellen Kopplung beschrieben werden.[5] Maturana und Varela beschreiben damit die kontinuierliche Interaktionszirkularität von Lebewesen. Sie ist immer positiv für die Interaktionspartner, da es sich um eine strukturelle, d.h. biologisch-physikalische, Kopplung handelt. Dieser Aspekt der strukturellen Kopplungen wird in einem anderen Beitrag nochmals ausführlich aufgegriffen.



[1] vgl. Maturana/Varela (2012): Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens. Frankfurt am Main.
[2] Angesprochen sind damit u.a. Themen wie Nervensysteme, Reizverarbeitung, Koordination von Sensorik und Motorik, etc.
[3] vgl. Faßler, Manfred (2008): Der infogene Mensch. Entwurf einer Anthropologie. Wilhelm Fink. S.129f
[4]Faßler, Manfred (2008): Der infogene Mensch. Entwurf einer Anthropologie. Wilhelm Fink. S.168
[5] Maturana/Varela (2012): Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens. Frankfurt am Main. S.110f

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