Mittwoch, 19. September 2012

Wagner und Fry

Hier eine Filmkritik zu Stephen Frys Film Wagner and me. Eine sehr pointierte Zusammenfassung zur Person Wagner und Wagners Antisemitismus und die Frage, wie wir uns Wagners Musik heute annähern können.


Hier zwei kurze Ausschnitte:
Richard Wagner war ein Antisemit. Er hat das Wort „Judenfrage“ erfunden, als erster eine mögliche „Endlösung“ postuliert und mit als Musikwissenschaft getarnten Hetzschriften wie „Das Judenthum in der Musik“ und „Deutsche Kunst und Deutsche Politik“ schon im 19. Jahrhundert den ideologischen Nährboden gelegt, mit dem seine Landsleute 80 Jahre später jüdische Massengräber zuschaufelten. Wagner hat laut und öffentlich darüber nachgedacht, ob man seinen sehr viel erfolgreicheren jüdischen Kollegen Meyerbeer „nicht einfach beseitigen“ könne, um „wahrer deutscher Kunst“ Platz zu machen. Er war, streng ideologisch gesehen, ein echtes Schwein, ein narzisstisches, verblendetes Monster, das von seinem eigenen Genie so überzeugt war, dass er bis weit in seine 50er warten konnte, um es sich selbst und allen anderen endlich zu beweisen.
Wagner war Antisemit. Er hat „Das Judenthum in der Musik“ 1950 unter Pseudonym veröffentlicht und 20 Jahre später unter eigenem Namen noch einmal, nur in verschärfter Form, er hatte genau solche jüdischen Freunde wie Ronald Reagan oder Bush jr. schwule Freunde haben, und die Wirkungen lassen sich von den Hebeln eben nicht trennen, ohne dass man die Maschine kaputt macht.

Kommentare:

  1. Tolle Aussage, die auch für uns zu gebrauchen ist. Die Frage nach dem Modell des Einzelnen, was kann ich damit machen?

    "Und Wagner & Me ist ein Fehler, und zwar ein großer. Weil die Fragestellung so falsch ist. Wie so oft sollte sie nicht lauten: „DARF ICH als Jude (und schwuler Mann) etwas tun (zum Beispiel Wagner hören)?“, womit man die Beweislast bei sich ablädt und selbstzerfleischend eine Antwort finden muss, sondern: „Hat etwas (zum Beispiel Wagner) mir als Jude (und schwulem Mann) ETWAS ANZUBIETEN, das mein Leben bereichert?“, was einen dazu führen kann, die Filetstücke von Wagner benutzen zu dürfen, weil es Spaß macht, und den Rest in den Fleischwolf der Geschichte werfen zu können."

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  2. Ja, diesen Abschnitt finde ich auch sehr gut. Da zeigt sich wieder, wie gern Moral mit Ethik verwechselt wird: Moral ist ein ideologisches Programm, Ethik ist ein praktisches Program (Anleitung zum Handeln).

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