Samstag, 8. September 2012

Materialfortschritt?

"Nicht nur verengt und erweitert es (das Material, Hg.) sich mit dem Gang der Geschichte, sondern alle seine spezifischen Züge sind Male des geschichtlichen Prozesses."  aus Theodor W. Adorno Die Philosophie der Neuen Musik

Die Frage ist ja nicht mehr der Materialfortschritt oder -stand, der hat sich ja wie jede Modeerscheinung im Zuge der Autonomiebewegungen und -wenden als limitiert und vergänglich entlarvt. Die Frage ist vielmehr: Was wir mit dem ganzen Wissen und der Technik anfangen, wie naiv oder reflektiert gehen wir damit um?

Daher ist der Ansatz H. Lehmanns so interessant, dass die Postmoderne mittels Ironie die obsoleten Materialien wieder verfügbar machte, sich jetzt aber selbst überlebt hat und ironie nur noch ein Medium unter anderen ist.

Natürlich werden weiterhin neue Spieltechniken und Technologien entwickelt, aber diese sind eben nicht mehr wesentliche Merkmale der modernen Musik.

Ein Ende der Kunst ist erstmal nicht in Sicht.

Kommentare:

  1. und: die Einsicht, dass Innovation auch eher ein Scheingeschehen ist. Wie macht unser Gehirn etwas Neues?

    Daher scheint mir tatsächlich auch die Perspektive, die Lehmann vorschlägt, relevant zu sein: Es geht "nur noch" um einen Umgang mit dem was schon mal war, und was wir zurzeit haben.

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  2. Manchmal habe ich diesen ganz starken Eindruck, das etwas NEUES nur etwas ist, das wir der Amnesie, dem Taboo (etwas Unterdrücktes) oder ganz freudianisch dem Unterbewußtsein verdanken.

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  3. Die aktuelle Debatte um die Innovationsgesellschaft ist auch eher eine pseudo ernste Debatte. Innovationen, im eigentlichen Verständnis des Wortes, hatten wir schon lange nicht mehr.

    Innovation wird meist mit Variation verwechselt. Womit wir wieder beim Wiederverwenden von Wiederverwendetem wären....

    Der Vorteil einer Gesellschaft, die eben nicht alles in einem großen Gesellschaftsspeicher archivieren kann, ist die Innovation durch Amnesie ;))))

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