Dienstag, 18. September 2012

Kritik des Avantgarde-Begriffs

Der Begriff Avantgarde scheint mir ein geschichtlicher und damit auch begrenzter Begriff zu sein, der bestimmte politische, soziale, kulturelle und historische Voraussetzungen hat. Gerade der militärische Bezug aus der Zeit der großen Nationalismen in Europa noch vor den zwei Weltkriegen, sollte mißtrauisch stimmen.

Freikorps-Poster ca. 1919

Die jeweiligen Avantgarden (kleine Gruppen mit straffer Ordnung) verstanden sich sehr wohl als (gewaltsamen/revolutionären) Angriff gegen Bürgerlichkeit, Hierarchie und Status quo. Daher auch die agressive Ausrichtung und mögliche Zugehörigkeit sowohl zu links- als auch rechtsutopistischen Lagern (s. Futurismus) und ein grundsätzlich antidemokratischer Zug.

 Luigi Russolo, Carlo Carrà, Filippo Tommaso Marinetti, Umberto Boccioni, and Gino Severini
Gleichzeitig ist der Begriff in seiner linearen Verortung beschränkt und reflektiert nicht auf  infogene Zusammenhänge oder andere Nichtlinearitäten. Schließlich spricht auch das Selbsverständnis der Avantgardisten, ihrer Zeit voraus zu sein und damit außerhalb des Gesamtzeitgefüges zu stehen (quasi in einer anachronistischen Zeitblase), gegen die Brauchbarkeit eines Begriffes der falsches elitäres Bewußtsein/Denken und damit Nischenbildung befördert.

Luigi Nono, Karel Goeyvaerts, Karlheinz Stockhausen

Egal wie modern oder experimentell ein Künstler ist, er kann nicht aus den Zwängen (Situationen, Verhandlungen, Programmierungen, Diskursen etc.) seiner Zeit/Umwelt treten! Wir sollten den Begriff der Avantgarde als historischen Begriff wahrnehmen und verwenden und im Gegenzug den Begriff der Moderne stärken oder eben neue Begrifflichkeiten entwickeln, die angemessener unsere Gegenwart wiederspiegeln.

Die Frage nach der Avantgarde 

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