Dienstag, 4. September 2012

Die Frage nach der Avantgarde

In diesem Post möchten wir auf einen Text hinweisen, der einen spannendes Theorienmodell der ästhetischen Moderne entwirft: Harry Lehmann "Avantgarde heute". Angesichts der neuesten Entwicklungen in der Wirtschaft und Politik (europäische und globale Krise) und den damit einhergehenden Fragen nach gerechten, sozialen Strukturen und Veränderungen (siehe z.B. der Arabische Frühling, die Occupy-Bewegung, Anonymous und die Piraten), gewinnt der Text und sein utopischer Kern eine Aktualität, die nicht sporadisch, modisch oder trendig ist, sondern wie zu hoffen, hiermit ein Modell anreißt, das einer Wende in unseren derzeitigen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Systemen entspricht, die auch die Kunst und damit Musik verändern wird. Die Idee einer Reflexiven Moderne erscheint uns sehr vielversprechend und Anzeichen dafür sind in den verschiedensten Bereichen der Kunst zu finden. Und die Frage:
 "Was also wäre das Unruhepotential an der Frage nach der Avantgarde heute?"
 kann ruhig auch politisch verstanden werden, denn Avantgarde ist immer eine Umwertung aller Werte.

Kommentare:

  1. P.S.: Zu reflektieren wäre hier,wie Avantgarde mit Koevolution zusammenhängt oder sich grundsätzlich von dieser unterscheidet. Aus Harry Lehmanns Entwurf ist hier eher ein Zusammenhang zu schließen, denn eine Verschiedenheit.

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  2. Sehr interessanter Text. Das sollten wir nochmal ausführlich ausarbeiten. Ich hadere gerade ob die Distanz zwischen Koevolution und Avantgarde nicht doch größer ist.

    Was noch zu thematisieren ist:
    - Der Begriff des Programms: Faßler nutzt in seiner Theorie nicht den Begriff der Grammatik. Denn eine Grammatik schließt eine Koevolution, als Epigenetik auf allen Ebenen, aus. Das macht die Programme bei Lehmann auch etwas starr: Es ist die Rede davon, ob und wie man sich aus Programmen lösen kann (Autonomie) und wie man wieder darauf zurückgreifen kann. Faßler würde wahrscheinlich sagen: Programme kann man nicht ablösen; man kann sie nur verändern.
    - Leider klärt kein Systemtheoretiker woher eigentlich autopoietische Systeme kommen. Deswegen wäre auch hier meine Frage: Wie entsteht eigentlich ein autopoietisches System? In der Argumentation wird nur erklärt, wie der Wechsel von einem allopoietischen zu einem autopietischen System sich vollzog.
    - Die Begriff Form und Medien halte ich für strittig. Das geht aber einher mit erst genannten Punkt: Form erscheint mit in diesem Text zu starr. Koevolutionäre Prozesse verändern aber auch Form (und bringen nicht nur neue hervor)

    Was meinst du dazu?
    Vielleicht sollten wir darüber einfach nochmal einen Blogeintrag machen, was unsere Lesart des Textes ist ?!

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  3. Könntest du auch nochmal etwas zu Avantgarde schreiben?
    Ich habe mich bisher mit dem Begriff nicht auseinandergesetzt, und mir erscheint er nur als Hoheit am Ende eines Entwicklungslinears.

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  4. Zum Begriff Avantgarde:

    militärische Metapher (französisch)
    wurde von den Kunstströmungen Futurismus, Dadaismus und Surrealismus verwendet
    sehr interresant hierzu das Buch: Aufbruch ins 20. Jahrhundert - Über Avantgarden, Hg. H.L.Arnold, TEXT + KRITIK 2001

    Leider ist das Konzept ein lineares: Avantgarde ist der weitest vorgeschobene Punkt, eine Position die ihrer Zeit voraus ist und wie Du schon schreibst Ende eines Entwicklungslinears, das bedeutet es entspricht der typischen linearen Geschichtsrezeption von Vorgänger und Nachfolger, somit müssen wir den Begriff der Avantgarde und seine Zeitkonzeption besonders kritisch betrachten.

    interessanter Text und Entwurf von C.-S. Mahnkopf:
    Was heißt Avantgarde? Dinge machen die eigentlich unmöglich sind
    in: Musik, Ästhetik, Digitalisierung - Eine Kontroverse, Wolke 2010

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